Der Berner Sennenhund gilt als kurzlebig. Sein Zuchtprogramm schreibt das nicht ins Kleingedruckte — es ordnet alles andere danach.
Das rassespezifische Zuchtprogramm für den Berner Sennenhund beginnt nicht mit dem Wesen und nicht mit dem Aussehen. Es beginnt mit der Feststellung, dass diese Rasse außergewöhnlich häufig von aggressiven Krebserkrankungen betroffen ist, und dass damit eine deutlich verkürzte durchschnittliche Lebenserwartung einhergeht. Das nennt das Programm die größte und tragischste Herausforderung der Rasse.
Daraus zieht es eine Konsequenz, die in dieser Deutlichkeit selten ist: Oberstes und dringlichstes Zuchtziel ist die konsequente Verbesserung der Gesundheit und die Steigerung der Langlebigkeit. Nicht ein Ziel unter mehreren. Das erste.
Wie viele Jahre das im Mittel sind, steht hier nicht. Das Programm nennt keine Zahl, und geschätzt wird nichts.
Ein Zuchtziel, das über den anderen steht, verändert die anderen. Beim Berner Sennenhund sieht man das ausgerechnet dort, wo man das Gegenteil erwarten würde: bei den Gelenken.
Hüft- und Ellenbogendysplasie gehören zu den Standarduntersuchungen, die für jedes Zuchttier dieser Rasse verpflichtend sind, und die Gelenkgesundheit bleibt ein wichtiges Zuchtziel. Die Regeln dazu sind bei dieser Rasse aber bewusst etwas moderater gehalten als bei anderen: Es wird gestuft statt pauschal ausgeschlossen.
Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Rechnung. Wer bei den Gelenken pauschal ausschließt, verkleinert den Genpool. Genau diesen Genpool braucht die Rasse aber, um gegen die Erkrankungen anzukommen, die ihr Leben verkürzen. Die Priorität liegt eindeutig bei der Lebenserwartung. Und ein Programm, das das ernst meint, muss es auch an der Stelle aushalten, an der es unbequem klingt.
Für die Krebserkrankung, die bei dieser Rasse die Haupttodesursache ist, gibt es einen DNA-Test. Er stellt keine Krankheit fest, sondern ordnet ein Risiko ein. Hunde, die dabei in die höchste Risikogruppe fallen, sind von der Zucht ausgeschlossen; Verpaarungen, an denen ein solcher Hund beteiligt wäre, sind untersagt. Das senkt nicht das Risiko eines einzelnen Hundes — es senkt das Risiko der nächsten Generation.
Dazu kommt eine unheilbare neurologische Erkrankung des Rückenmarks. Für sie sind bei dieser Rasse zwei verschiedene Mutationen bekannt, und getestet wird deshalb auf beide. Ein Träger darf in der Zucht bleiben, aber nur mit einem Partner, der für die jeweilige Mutation frei ist. Dann erkrankt kein Nachkomme, und die Rasse verliert keine genetische Vielfalt. Regelmäßige Augenuntersuchungen kommen hinzu.
All das steht nicht zur Wahl. Es ist die Bedingung dafür, dass ein Hund dieser Rasse überhaupt in die Zucht darf.
Züchterinnen und Züchter dieser Rasse müssen Lebensalter und Todesursache der Vorfahren ihrer Zuchttiere erfassen und dokumentieren: Eltern und Großeltern. Die Teilnahme an dieser Langlebigkeits-Analyse ist nicht freiwillig, sondern Teil des Programms.
Und sie führt ausdrücklich zu keinem Zuchtausschluss. Alter ist kein Befund, den man an einem lebenden Hund erheben könnte. Was sie bewirkt, ist die Wahl des Partners: Verpaarungen, in denen sich kurzlebige Linien treffen, sollen unterbleiben. Warum es für ein langes Leben keinen Gentest gibt und was so eine Sammlung überhaupt leistet, steht auf einer eigenen Seite — wie alt wurden die Großeltern?
Einem Hund kann niemand Jahre schenken.
Man kann nur die Verpaarung wählen,
die sie wahrscheinlicher macht.
Ein Programm verlängert kein einzelnes Hundeleben. Es verändert, welche Verpaarungen stattfinden. Und das wirkt erst in der Generation danach. Wer einen Welpen kauft, kauft deshalb keine Garantie. Er kauft die Wahrscheinlichkeit, die vorher jemand verbessert hat.
Eine Rasse, deren Programm ihr größtes Problem beim Namen nennt, ist keine Rasse, von der man abraten müsste. Sie ist eine, bei der besonders genau hingesehen wird. Ein Problem, das benannt, getestet und aufgeschrieben wird, ist bearbeitbar. Eines, über das niemand spricht, bleibt.
Es wird keine Rasse ausgeschlossen. Es wird geprüft — und zwar an dem, was bei dieser Rasse tatsächlich zählt.
ZEUS ist ein Qualzucht-Präventionsprogramm für Züchterinnen und Züchter. Zu jeder Rasse gehört ein eigener Teil mit ihren eigenen Pflichten — beim Berner Sennenhund eben die, die hier beschrieben sind. Ein Qualzuchtpräventionszertifikat gibt es erst, wenn beide Elterntiere nach diesem Programm zuchttauglich befundet waren und die Verpaarung zulässig war.
Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode. Den tippen Sie auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.